Im Tanzsaal des Bayrischen Hofes inszenierte Pfarrer Veitl 1946 mit einer Gruppe junger Herxheimer*innen Schillers Maria Stuart. Warum Theater, ein Jahr nach dem Krieg, wo wirtschaftliche Not, Hunger und Trauer um im Krieg Söhne, Väter, Brüder die Menschen niederdrückt? Warum „Maria Stuart“ von Schiller? Die Spielschar, das sind junge Leute, geboren in den 20ern und aufgewachsen im Nationalsozialismus. Das bedeutet, sie haben ihre ganze Kindheit und Jugendzeit unter dem Hakenkreuz verbracht. Ein belastendes Erbe, das sie in sich tragen. Es werden 14 legendäre Aufführungen im Tanzsaal des Bayrischen Hofes, von denen Herxheim noch lange redet. Überliefert ist dies aus den Niederschriften von Luzia Scherrer in ihrem Heft „Schlussfeier der Spielschar am 7. November 1946“ und es gibt aus 30 Jahren Interviews viele erzählenswerte Geschichten.
Autorin und Regisseurin Rosa Tritschler hat genau daraus ein neues Stück geschrieben, in dem erzählt wird, wie es für die jungen Leute von damals gewesen sein könnte, direkt nach dem Krieg, im Kopf die Erinnerung an Nazizeit und Krieg und 1946 eine ungewisse Zukunft vor Augen.
Es ist ein Theaterstück entstanden über 1946 von Januar bis November. Die Zuschauer sehen die Probenverläufe bis hin zur Premiere des Theaterstücks „Maria Stuart“. Das Spiel einer jungen Generation, die heute Eltern/ Großeltern/Urgroßeltern der Zuschauer*innen sein könnten. Während der Theaterproben bis hin zur Premiere wird die junge Spielschar immer wieder mit den persönlichen Erinnerungen an ihre Zeit in der Hitlerjugend oder beim BDM konfrontiert. Vieles brodelt in ihnen, vieles können sie nicht einordnen. Zu sehen ist die Entstehung eines Stückes im Stück, der Alltag von damals, der in die Proben eindringt und dann ist da auch noch Schillers Drama, mit dem sich die Akteure auseinandersetzen müssen. Die Zeit um 1946 gibt keine Antworten, sondern wirft eher Zukunftsängste auf.
12 jüngere und ältere Spieler*innen des Herxheimer Dorftheaters haben sich in 9 ausverkauften
Aufführungen diesen Herausforderungen gestellt, in die Figuren von damals zu schlüpfen und deren Alltag von damals lebendig werden zu lassen. Bei den Proben kommen immer wieder persönlicheKriegs- und Alltagserlebnisse zum Vorschein, die Zerstörung der Synagoge, die Vertreibung der Juden, das Franzosenkind, die Vergewaltigung der Tante, mit denen sich die Figuren auseinandersetzen. Und Schillers Tragödie um Scheitern und Gelingen, Heimat und Fremde, Liebe und Verrat, Macht und Ohnmacht passt erstaunlich gut. Im Zentrum der ausgewählten Schiller-Zitate steht die Beziehung der Königinnen Elisabeth und Maria Stuart:
emotional und hochdramatisch. Es ist der stellvertretend für die damalige Situation gezeigte Kampf zweier Frauen um Macht und Deutungshoheit. Auch der Saal im Bayrischen Hof selbst ist ein gestaltendes Element. Es treten Saalgestalten auf, eine Art Zeitzeugen, die mitfühlen, mithören, mit zuschauen. Die Topografie des Saales wird zur Topografie der Geschehnisse in Herxheim.
Die Zuschauenden zeigten sich begeistert.
Am 25.4.26 war Premiere im Saal in Herxheim, auf den Original- Holzdielen, auf denen auch die jungen Leute von damals gespielt haben.

Für 2027 ist eine Wiederaufnahme geplant.
PS: Für das „Herxheimer Dorftheater“ war Saal46 auch ein Jubiläum. Dessen Anfänge liegen 40 Jahre zurück. 1986 findet sich eine Gruppe junger theaterbegeisterter Menschen, um in Herxheim Theater zu machen. Welches Stück sollte es denn sein? Nichts Geringeres als die „Dreigroschenoper“ von Bertold Brecht! Und dank Unterstützung des damals nach Herxheim umziehenden Chawweruschtheaters wird 1987 die Dreigroschenoper mehrmals in der Festhalle in Herxheim vor ausverkauftem Haus aufgeführt. Dieses Stück zu stemmen war ein Kraftakt, und hierher rührt denn auch der Name, den sich die Gruppe damals gab: Theater Sisyphus. Es blieb nicht das einzigste Stück. Und nach der Beteiligung an den großen Theaterprojekten „Starker Duwak“ und „Nuff und Nunner“ wurde der Name „Herxheimer Dorftheater“ gewählt.

