Mit einem schaurigen Auftakt an Halloween hob sich der Vorhang unserer Premiere. Obwohl unser Stück kein Horror war, ließ die Vorstellung, Freiendiez könne zu einem riesigen Parkplatz für die Stadt Diez werden, so manchem Zuschauer das Herz schneller schlagen.
In dieses heikle Chaos stolpert niemand Geringeres als der zerstreute, liebenswert unbeholfene, aber engagierte Kämmerer Schmidt (gespielt von Lukas Koder). Sein Wunsch, Freiendiez zu neuem Glanz zu verhelfen, verwandelt das gemütliche Leben der resoluten Bürgermeisterin Frau Müller (gespielt von Gabi Teetz) in ein wahres Spektakel – und nein, die Rede ist nicht von ihren frisch gesetzten Highlights. Eine emotionale Achterbahnfahrt nimmt ihren Lauf: vom ruhigen Amtsalltag über bürokratische Abgründe bis hin zu drohenden Haftstrafen, bevor sich ein Happy End im Paradies auftut.
Erst die Gartenschau-Beauftragte Berger (gespielt von Zoe Becker) öffnet den beiden die Augen für die brisante Lage – und die möglichen juristischen Folgen. Unterstützung kommt ausgerechnet von der einzigen Gärtnerin der Stadt, Frau Krause (gespielt von Esther Koder), deren blühende Fantasie zwar nicht unbedingt zu einer realistischen Bundesgartenschau beiträgt, aber immerhin für reichlich Gesprächsstoff sorgt. Ihren heiß ersehnten Kürbissuppen-Brunnen musste sie am Ende dennoch begraben.
Ein Unternehmen zu finden, das die gigantischen Anforderungen einer Gartenschau stemmen kann, ist ein Kunststück für sich. Zum Glück tritt die Bauunternehmerin Murks (gespielt von Lena Koder) auf den Plan. Begleitet von ihrer russischen Mitarbeiterin Alex (gespielt von Rike Bach), die mit kräftigem Einsatz und regelmäßigen „Kaffee“-Pausen die Baustelle auf eine völlig neue Ebene hebt. Alex ist jedoch weit mehr als eine fleißige Arbeiterin: Sie ist eine echte Anpackerin, der heimliche Boss auf der Baustelle. Das demonstriert sie eindrucksvoll der ortsansässigen Generationenlehrerin Frau Huber (gespielt von Nadine Hoffmann), der sie kurzerhand eine Lektion in Durchsetzungskraft und kaltem Baustellenkaffee erteilt.
Natürlich darf bei einer Gartenschau ein überzeugter Kämpfer für Natur, Umwelt und Gemeinwohl nicht fehlen. Diese Rolle übernimmt Anwohner Mayer (gespielt von Ulrich Busch), dessen leidenschaftliche Zwischenrufe ihn schließlich in die Hände der Security treiben (Statisten: Rudolf Schmidt und Nicole Jürgens).
Begleitet wird das ganze Spektakel von einem Fernsehteam. Die ehrgeizige Reporterin (gespielt von Monika Meyer) setzt alles daran, mithilfe ihrer wachsamen Kamerafrau (gespielt von Paula Reusch), die jeden Winkel perfekt einfängt, die große Schlagzeile zu landen. Doch da das Chaos der Beteiligten nach außen hin lieber verborgen bleiben soll, muss sie – ganz im Sinne eines echten Reporters – zu kreativen Mitteln greifen…

Besonders stolz waren wir auf unsere drei Bühnenbilder in einem einzigen Stück: das städtische Büro, die Baustelle an der Jahnstraße und schließlich die farbenfrohe Gartenschaubühne zum Grande Finale. Nur dank des Zusammenspiels aller Schauspieler gelang dieser logistische Kraftakt. Auch Ton und Technik (Andreas Schneider) müssen sitzen und eine leise Stimme im Ohr (Ilona Reinhard) sorgt dafür, dass der Abend reibungslos verläuft.

Das Publikum lachte Tränen, rutschte vor Spannung auf den Stühlen hin und her und fieberte mit, wie sich das Chaos am Ende doch noch in Wohlgefallen auflösen könnte. Ein herzliches Dankeschön an alle Zuschauer, die an unseren vier Abenden (Fr, 31.10., Sa, 01.11., Fr, 14.11. und Sa, 15.11.) das Autohaus S&R bis auf den letzten Platz gefüllt haben.
Jeder Abend war einzigartig – und dank spontaner Einfälle immer wieder überraschend.
Text und Fotos: TBD

