Landesverband Amateurtheater Rheinland-Pfalz e.V.

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50 Jahre jung – Festveranstaltung zum Jubiläum des Landesverbandes in Hassloch

Herzlichen Dank für die Gastgeber vom WWP-Theater

50 Jahre jung – Festveranstaltung zum Jubiläum des Landesverbandes in Hassloch

Der Landesverband Amateurtheater Rheinland-Pfalz e.V. feiert am 5. und 6. Mai 2023 sein 50-jähriges Jubiläum beim Work with People-Theater im Kulturviereck in Hassloch in der Pfalz. Unser Dank gilt der tollen Truppe des WWP-Theaters um die Vorstandsmitglieder Peter Ruffer und Melanie Gaug, die der Veranstaltung einen großartigen Rahmen zu geben wussten.

 


Am 6. Mai wurde nicht nur in London König Charles III. gekrönt, auch auf dem Verbandstag des in Ransbach-Baumbach ansässigen rheinland-pfälzischen Amateurtheaterverbandes wurde der bisherige Landesvorsitzende Hans Schilling für weitere 4 Jahre von den Delegierten im Amt bestätigt. Es ist die fünfte Amtszeit des Ransbach-Baumbacher Theaterschaffenden, der seine künstlerische Heimat nach 20 Jahren bei „Courage“ in Ransbach-Baumbach seit 2016 beim Amateurtheater „Die Oase“ in Montabaur gefunden hat.

 

Außerdem wurden Peter Ruffer (WWP-Theater Hassloch) als künstlerischer Leiter, Cornelia Praml (theater im keller, Andernach) als Referentin Kinder-/Jugendtheater, Heike Mayer-Netscher (Theaterraum Mainz) als Referentin Seniorentheater in ihren Ämtern für weitere 4 Jahre bestätigt sowie Christian Kaiser (Theaterfreunde Niedererbach) zum Beisitzer neu gewählt

 

Natürlich ist ein solcher Verbandstag zwar wichtig und gemäß Satzung vorgeschrieben, aber wenn ein 50-jähriges Jubiläum ansteht, ist so etwas zweitrangig.

 

So waren die Tage hauptsächlich dem Theater gewidmet, beginnend mit dem Festakt am Freitagabend in der stimmungsvollen Location des „Kulturvierecks“ in Haßloch. Die Festgesellschaft durfte als Ehrengäste den Landrat des Landkreises Bad Dürkheim, Hans-Ulrich Ihlenfeld, den Beigeordneten der Gemeinde Haßloch, Thomas Götz, sowie Heribert Knecht, Mitglied des Bundespräsidiums beim Bund Deutscher Amateurtheater e.V., Berlin, begrüßen.

Alle hoben die herausragende Arbeit des Verbandes hervor und lobten die ehrenamtlichen Tätigkeiten und die zahlreichen Theateraufführungen für alle Alters- und Geschmacksklassen.

 

Leider konnte aus terminlichen Gründen Kulturministerin Katharina Binz an dem Abend nicht in Präsenz teilnehmen, verwies jedoch in ihrer Video-Grußbotschaft auf die engmaschige Vernetzung des Verbandes und seiner Gremien mit den Bühnen im Lande, mit dem Berliner Dachverband BDAT und den politischen Institutionen im Land. Insbesondere lobte sie den offenen und auch mitunter kritischen Dialog zwischen ihrem Ministerium und dem Vorsitzenden Hans Schilling.

 

Der Festabend schloss mit der Aufführung von „Leonce und Lena“ – einem Lustspiel, welches Georg Büchner (1813-1837) im Jahre 1836 als Mischung zwischen klassischer Komödie und politischer Satire verfasste.

 

Die von der Schauspielerin und Theaterpädagogin Melanie Gaug, ebenfalls Mitglied im Landesvorstand, mit den Darstellerinnen und Darstellern des WWP-Theaters Haßloch erarbeitete Inszenierung wurde am Schluss mit minutenlangem Applaus gefeiert.

 

So ein Wochenende geht natürlich nicht nur mit einer Theateraufführung zu Ende, deshalb gab es am Samstagnachmittag noch mehr Theater.

 

Das Amateurtheater „Bartels Bühne Flammersfeld“ hatte sich im letzten Jahr eine ganz besondere Produktion ausgedacht, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Das Kinderbuch „Ente, Tod und Tulpe“ von Wolf Erlbruch war die Vorlage zu einer wundervoll inszenierten Geschichte der Ente, die dem Tod begegnet.

 

Die beiden Akteurinnen Annegret Spies (Tod) und Silke Düngen (Ente) haben mit ihrer empfindsamen Darstellung tief ins Innere getroffen, niemand ging ohne Emotionen aus dieser Vorstellung.

 

Und dann musste auch noch die Geburtstagstorte angeschnitten werden, eine Aufgabe, die von Thomas Holtkamp und Hans Schilling gerne wahrgenommen wurde.

 

Mit der Amateurbühne „Provinztheater…alles, was ihr wollt“ aus Steinebach an der Wied stand eine weitere Bühne aus dem Westerwald bereit, um mit Ausschnitten aus ihrer Produktion „Das Gasthaus an der Nister“ rabenschwarzen britischen Krimigenuss frei nach Edgar Wallace zum Dessert zu servieren.

 

Den finalen Abschluss brachte dann die Improvisationstheatergruppe (kurz Impro-Theater) GROMALLA des WWP-Theater Haßloch mit ihrem Programm Gromalla 2.0.

 

Dann mal auf die nächsten 50 Jahre!

 

Bericht: Hans Schilling

 


 

Leonce und Lena

Nicht nur der Landesverband konnte sich über einen runden Geburtstag freuen. Auch das WWP-Theater feierte sein 10-jähriges Jubiläum mit Leonce und Lena.

 

Mit der Aufführung von „Leonce und Lena“ – einem Lustspiel, welches Georg Büchner (1813-1837) im Jahre 1836 als Mischung zwischen klassischer Komödie und politischer Satire verfasste, feierte das Ensemble rund um Theaterpädagogin Melanie Gaug einen großartigen und herzlichen Erfolg. Klassik vs. Modern? Nicht bei Melanie, so hat sie mit ihrem Ensemble ein minimalistisches Bühnenbild, bestehend aus einer Schilderwand und 3 verschiedenen Bänken etwas geschaffen, was in der Symbiose mit der Handlung einfach nur als verrückt herausstellte. Die Darsteller lieferten mit Ihrer eigenen Interpretation des Stückes und ihren Rollen großartig ab. So stach Prinz Leonce, verkörpert von Tobias Schmitt, zum ersten Mal auf der Bühne, durch sein hervorragendes Schauspiel in Stimme und Sprache ebenso heraus, wie die Idee den Valerio von 2 Darstellern (Gwin Krill und Thomas Faulhaber) verkörpern zu lassen. Sehr mutig von Melanie, der aber durch fantastisches Auftreten ihres Ensembles belohnt wurde.

 

Leonce, Prinz des Königreiches Popo, hat ein Problem: Er langweilt sich. Außerdem möchte sein Vater ihn verheiraten und er soll König werden. Klingt nicht nach Spaß für Leonce. Lena, Prinzessin von Pipi, findet es ebenfalls nicht lustig, jemanden zu heiraten, den sie weder kennt noch liebt. Beide treffen, unabhängig voneinander, die gleiche Entscheidung: zu fliehen. Obwohl Leonce und Lena als (harmloses) Lustspiel bezeichnet wird, ist das Drama eine deutliche Polit-Satire der gesellschaftlichen Verhältnisse in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. (Quelle Theatertexte.de)

 

Mit viel Lob und Anerkennung gestaltet sich der Applaus, welcher auch mit Standing Ovation bedacht wurde. Ein mutiges Stück in der heutigen Zeit. Wir freuen uns auf die nächsten Stücke.

 

Bericht: Peter Ruffer

 


 

Ente, Tod und Tulpe

Das Ende einer Ente ist eigentlich unspektakulär, entweder als nahrhafte Mahlzeit im Bau von Familie Fuchs oder als „Nr, 48 süß-sauer“ auf der Karte im Asia-Restaurant.

 

Nicht so die Ente aus dem Kinderbuch (auch für Erwachsene) des Autors Wolf Erlbruch.

 

Behutsam näherten sich die beiden Darstellerinnen Silke Düngen /Ente) und Annegret Spies (Tod) dem ewigen Thema vom Leben und Sterben.

 

Die kleine Ente schwimmt, taucht und gründelt in ihrem Teich, freut sich ihres Lebens bis ein merkwürdiger bleicher Geselle erscheint, der Tod. Ans Sterben hat unsere Ente nicht im Traum gedacht, aber der Tod erzählt ihr, dass er schon seit ihrer Geburt ihr Begleiter sei, und das Sterben eben zum Leben dazu gehöre.

 

Zwei Tage und zwei Nächte bleiben die beiden zusammen am Teich, die Ente erzählt von ihrem Leben, sie klettern auf Bäume, sehen die kleine Entenwelt von oben, sie bringt ihm schwimmen und beide gründeln im Teich, ein fast harmonisches Bild, wenn da nicht…..

 

Letztendlich wird die Ente schwach und müde, legt vertrauensvoll ihren Kopf an die Schulter des Todes und schläft ein. Er bettet sie behutsam am Ufer des Teiches, legt die Tulpe auf ihre Schulter und nimmt ihre Seele mit in die Ewigkeit.

 

Tröstlich, dass die Ente am Ende nicht einsam, sondern mit einem Freund vereint war.

 

Bericht: Hans Schilling

 


 

Das Gasthaus an der Nister

Das Provinztheater…was ihr wollt“ präsentierte „Morden im Westerwald“

 

Man fühlte sich in die frühen 70-er Jahre versetzt, als Edgar Wallace mit dem „Gasthaus an der Themse“ das Kinopublikum in Spannung versetzte, das Ganze natürlich in Schwarz/Weiß.

 

Hier haben die Aktiven der Westerwälder Bühne etliche Anleihen genommen, ein herkömmliches Bühnenbild gibt’s nicht, eine weiße Leinwand, über die Bühne gespannt, dient als Kulisse und als Videowand, denn hier wird die Lokalität wie z.B. das Schloss Hachenburg, ein einsames Gasthaus, leere Dorfgassen und die munter vor sich hin plätschernde Nister dargestellt.

 

Der Plot ist, wie gesagt dem Edgar-Wallace-Krimi nachempfunden. Ein schwarzer Mörder streicht durch die Gassen und meuchelt mittels Blasrohrs und Pfeilgift. Polizeipräsident Archibald und Inspektor Platt nebst Assistentin Derrick sind ratlos, zumal auch Cora, die Freundin von Platt, spurlos verschwunden ist.

 

So steigt die Spannung, die Leichen fallen, alles dreht sich um einen geheimnisvollen Diamanten und die schwarze Hand schlägt weiter gnadenlos zu.

 

Einige Szenen wirken auf den Zuschauer sehr slapstickhaft, wenn zum Beispiel die Meute der Polizisten vor und hinter der Leinwand den Täter verfolgen, oder wenn eine steifbeinige schwarze Figur über den Ort des Geschehens schleicht.

 

Leider gab es nur Ausschnitte der Gesamtaufführung zu sehen, deshalb war es manchmal etwas schwierig, die Abläufe zuzuordnen.

 

Alles in allem eine spannend-amüsante Darbietung.

 

Bericht: Hans Schilling

 


 

Impro-Theater – „Gromala“ begeistert mit vielfältiger Improvisationskunst

Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung „50 Jahre Landesverband Amateurtheater Rheinland-Pfalz e.V.“ fand eine mitreißende Aufführung der Improvisationstheatergruppe „Gromala“ des WWP-Theaters Hassloch statt. Unter der neuen Leitung von Melanie Gaug präsentierten die jungen Darsteller David Vollweiler, Caroline Schmitt, Tobias Schmitt, Philipp Schaan und Thomas Faulhaber eine Show voller Kreativität und Spaß, die das Publikum von Anfang bis Ende begeisterte. Drei Grundregeln – zuhören, Spielangebote annehmen und den Spielpartner gut aussehen lassen – bildeten den Grundstein für die Auftritte und trugen dazu bei, eine Atmosphäre von Leichtigkeit und natürlicher Interaktion zu schaffen, in der die Spieler ihr Talent zeigen konnten. Humorvolle Szenen, basierend auf unterhaltsamen Spielen wie „Buchstaben weglassen“, „Rezeption“ und „Gebärdendolmetscher“ bis hin zu „Reklamation“ und „Alltagsolympiade“, entfalteten sich auf der Bühne.

Im Spiel „Buchstaben weglassen“ ging es darum, dass die Spieler – auf Zuruf des Publikums – bestimmte Buchstaben in ihren Dialogen vermeiden mussten. Hierbei wurde nicht nur die Sprachgewandtheit der Darsteller herausgefordert, sondern auch ihr Teamgeist und ihre Fähigkeit, aufeinander zu reagieren. Fehltritte, die mit Spielerauswechslung „bestraft“ wurden, sorgten für unerwartete Wendungen in den Szenen.

 

Mit dem Spiel „Rezeption“ brachten die Darsteller eine komödiantische Ebene in die Aufführung. Ein Spieler musste sich in dieser Szene mit einem Hotelmitarbeiter verständigen, der dessen Gromolo, eine Aneinanderreihung von sinnlosen Lautfolgen, nicht verstand. Durch das Hinzuziehen eines weiteren Hotelmitarbeiters zwecks Übersetzung entstand eine Komik, die das Publikum zum Lachen brachte.

 

Das Spiel „Gebärdendolmetscher“ offenbarte auf fesselnde Weise die bemerkenswerte körperliche Ausdruckskraft der Schauspieler, wobei ein Mitglied der Gruppe besonders hervorstach. Es wurde ein Experteninterview zu politischen Schlagworten, die direkt aus dem Publikum kamen, durchgeführt und für Gehörlose in Echtzeit übersetzt. Die beeindruckende Kombination aus Gestik, Gesichtsausdrücken und Bewegungen, die der „Übersetzer“ dabei zur Schau stellte, waren verblüffend.

 

In der Szene „Reklamation“ brillierten die Schauspieler mit ihrer beeindruckenden Improvisationsfähigkeit und Flexibilität, als ein Spieler die Herausforderung annahm, einen ihm unbekannten Gegenstand – der zudem eine besondere Funktion hatte – bei einem anderen, wissenden Spieler zu reklamieren. In dieser Situation spielte das Zuhören eine zentrale Rolle, da der „Umtauscher“ auf die subtilen Hinweise seines Spielpartners angewiesen war, um das Rätsel zu lösen.

 

Beim Spiel „Alltagsolympiade“ schließlich legten die Zuschauer fest, dass „Tellerabwaschen“ als Disziplin für den „Sportwettbewerb“ dienen sollte. Auf der Bühne kämpften zwei Darsteller in Zeitlupe um den Sieg, was zu einer Reihe von unvorhersehbaren und amüsanten Momenten führte. Zwei Sportreporter kommentierten die Ereignisse und sorgten so für zusätzliche Unterhaltung.

 

Eines der Highlights des Abends war das Spiel „Pressekonferenz“, welches die Regel, den Spielpartner in einem guten Licht dastehen zu lassen, auf bezaubernde Weise illustrierte. Ein Spieler wurde interviewt und agierte dabei ohne Kenntnis seiner eigenen Identität und des Grundes für die Konferenz. Durch geschickte Lenkung verwandelten die Mitspieler – in ihrer Rolle als Interviewer für die Presse, etc. – diese Unsicherheit in ein dynamisches Spiel und schufen so eine Szene voller Authentizität.

 

Die Atmosphäre der Veranstaltung war insgesamt von der Energie und dem Enthusiasmus der Darsteller durchwebt, die ihren Funken auf das Publikum übertrugen. Das anhaltende Lachen und der stetige Applaus, die die Aufführung begleiteten, bezeugten die Magie der Gruppe „Gromala“, die eindrucksvoll bewies, dass Improvisationstheater eine einzigartige und fesselnde Kunstform ist. Der Verein „Work with People Theater“, der Wert auf Persönlichkeitsentwicklung und Förderung von jungen Talenten legt, kann stolz auf die Leistungen seiner Improvisationsgruppe „Gromala“ sein.

 

Bericht: Katharina Dollmann