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Landesverband Amateurtheater Rheinland-Pfalz e.V.

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Komik fängt im Körper an

Bericht vom Regie-Workshop mit Susanne Schmitt im April in der Jugendherberge Cochem

Komik fängt im Körper an

Unser Workshop startet bei Sonne, Schnee- und Blütenregen, also bei wirklich „komischem“  Aprilwetter. Wir sind 10 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sichtlich Lust haben, sich mit dem Thema Komik auseinanderzusetzen.

 

Doch auch ein Lehrgang zum Thema Komik beginnt mit einem gewohnten Warm Up wie dem Ausschütteln einzelner Körperteile (Füße, Waden, Hände Hintern etc.), dem Kreuz- und Querlaufen in unterschiedlichen Tempi. Doch bald schon werden komische Elemente eingebaut, wenn z. B. ein einzelnes Körperteil die Führung übernehmen soll. Besonders komisch wirkende Bewegungen entstehen, weil wir davon ausgehen sollen, dass dieses Körperteil vielleicht verrückt spielt. Hier wird schon ein Element der Komik deutlich, nämlich das Unerwartete.  Als weiterführende Aufgabe ahmen wir nach, was sich im Raum befindet, sei es die „unfreiwillig komische“ Lampe, deren Ästhetik immer wieder thematisiert wurde, eine Teil des Bodenparketts oder ein Bildmotiv.

 

Im 2. Schritt ahmen wir heimlich nach, was die anderen machen und ahmen auch  weiterhin Dinge aus dem Raum nach, und in einem 3. Schritt ahmen wir nach, ahmen heimlich nach und ganz offensichtlich. In Dreiergruppen  werden diese Anweisungen zur Szenenimprovisation genutzt, die vor allem dann komisch wirkten, wenn etwas Unerwartetes passierte, z.B. aus dem bewussten Nachahmen eine Choreographie von seltsamen Bewegungen in der Gruppe wurde.

 

Das Thema Bewegung und Nachahmung steht auch im Zentrum der folgenden Übung, bei der wir uns in Dreiergruppen zusammenfinden sollten und zwei den Gang der dritten Person genau wie möglich kopieren sollen, so als ob sie zu Klonen dieser Person würden. Nach einer Weile tritt diese Person aus der Gruppe heraus und schaut  sich ihre Klone an, was schon einen komischen Effekt hat, da man sich selbst nicht beim Gehen beobachtet und überraschende Dinge entdeckt, wie ein einseitiges Schwingen des Armes oder ein ständiges Schütteln der Haare. Danach sollen die Klone ein Detail des Ganges übertrieben darstellen, z.B. das Schwingen des Armes, den Hüftschwung, die Kopfbewegung.

 

Doch zunächst beschäftigen wir uns mit der Wirkung unnatürlicher Tempi, indem wir einen  Wettlauf in Zeitlupe durchführen, bei dem es eigentlich darum geht, wer als Letzter ins Ziel kommt, aber das Ziel dennoch erreicht werden soll. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer starten zur Musik „Conquest of paradis“ und sollen  dabei immer wieder ins Publikum blicken, was die komische Wirkung der Bewegung, der Mimik und des entstehenden Kampfes noch unterstützt.

 

Am Nachmittag gibt es verschiedene Aufwärmübungen, die das Thema der Übertreibung vorbereiteten, dazu kommt eine weitere Technik, die wir einübten: der  „verwunderte Blick“  Die Nase führt dabei die Kopfbewegung und die Augen sind fest. Zu zweit übten wir diese –  nicht so einfache –  Technik und ergänzten sie durch den sogenannten „Double Take“, dem zweimaligen Hinschauen. Umgesetzt wird diese Technik von den Spielern Marion und Willi in ihrer Szene mit der Flipstüte. Trotz Willis Bitten und Flehen und herzerweichenden Blicken, bleibt Marion eisern und kaut genüsslich auf ihren Flips, wobei auch die Zeitlupe  und das Geräusch beim Biss auf die Flips, dazu beiträgt uns Zuschauer zum Lachen und den armen Willi fast zum Weinen zu bringen.

 

Die Arbeit mit Hoch- und Niedrigstatus birgt ebenfalls viel Komikpotential, vor allem wenn die vermeintlichen Niedrigstatus-Spieler dann doch den Hochstatus innehaben und umgekehrt. Zur Übung dürfen lauter Königinnen und  Könige über die Bühne schreiten, während ihre Dienerinnen ihnen mit einem Stuhl folgen, falls sich ihre Königin setzen möchte, dabei darf die Dienerschaft nicht in das Sichtfeld der Königen treten, aber darf auch nicht verpassen, falls diese sich setzen möchte. Diese Übung gipfelt in der Szene mit einer Königin, der vier Diener hintereinander das Leben schöner machen wollten, die jedoch mit keiner ihrer Dienstboten zufrieden war. Die letzte Dienerin war dabei besonders vorwitzig, indem sie der Königin in einer unglaublichen Wortsalve sämtliche Teesorten aufzählte, danach versprach endlich still zu sein, um dann doch noch ein „Schmeckts! hinterher zu schicken.

 

Zum Ausklang sehen wir uns am Abend verschiedene Videoausschnitte an, um bestimmte Techniken,die wir ausprobiert haben, wieder zu entdecken. Sehr anschaulich war dabei Rowan Atkinson, der Schauspier, der Mr Bean verkörpert, doch auch Szenen von Chaplin und Loriot zeigten bestimmte Techniken nochmal sehr deutlich. Deutlich wird  vor allem, welche Bedeutung das Timing hat.

 

Den folgenden Sonntag widmen wir uns „Schlägen und Schubsen“, wie es in komischen Filmen oder Clownsnummern (Slapstick) oft vorkommt und üben dazu verschiedene „Ohrfeigetechniken“ und das  Aus-der-Balance-bringen zu zweit.

 

Eine weiteres Mittel zur Erzeugung von ist die Darstellung von Naivität, die wir einüben, indem wir einen unbekannten Gegenstand entdecken und dabei auch Übertreibung einsetzen. Im weiteren Verlauf entwickeln wir zu dritt Szenen, in denen es zum einen um das Entdecken, zum anderen um einen ungewohnten Umgang mit dem Gegenstand gehen soll und bei denen alle bisher erlernten Techniken eingesetzt werden. So wird auf einem Bügel geritten oder mit ihm weggeflogen, Entdeckungen in kindlicher Naivität nachgeahmt, Blicke geworfen und viel gelacht.

 

Aus dem Warm Up nach dem Mittagessen heraus verwandeln wir uns in verschiedene Tiere, wobei wir zunächst gemeinsam als Katze aufwachen und uns bewegen, dann zu Kuh, Schaf, Schlange und Vogel werden, bevor sich jeder in ein Tier seiner Wahl verwandelt,  wir den anderen als Tier begegnete, dann wieder mehr zum Mensch werden , aber tierhafte Züge oder vielleicht Tics aus unserem Tiersein behalten, z.B. die Giraffenfrau, die immer mit der Zunge über ihre Lippen leckt, oder die Fliegenfrau, die nicht ruhig an einem Platz verweilen kann.

 

Die Abschlussszenen bildeten jeweils drei Tiere auf der Parkbank. Unvergessen bleiben  die drei Giraffen, die in anmutiger Langsamkeit sich hinsetzen und elegant, aber sehr, sehr  langsam die Gegend betrachteten, bis eine irgendwann in unglaublicher Langsamkeit sagt: „Schön hier“!  Und was sagt der Fisch, warum er nicht ins Schwimmbad geht: „ Da geh‘ ich nicht rein. Da ist Chlor drin, davon kriege ich Schuppen.“

 

(Bericht von Andrea Sommer, Einzelmitglied im Landesverband)