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Landesverband Amateurtheater Rheinland-Pfalz e.V.

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Bayern und Franken eroberten Berlin

Theater traf auf Kulturpolitik in der Bayerischen Staatsvertretung

Bayern und Franken eroberten Berlin

Mit Karl Valentin und Dario Fo im Gepäck reisten Akteure des Verbandes Bayerischer Amateurtheater und der Arbeitsgemeinschaft Mundart-Theater Franken nach Berlin und präsentierten am 20. Juni vor rund 200 Gästen aus Politik, Kultur und Gesellschaft in der Bayerischen Vertretung ein heiter-tiefgründiges Theaterprogramm. Anlass war das 125-jährige Bestehen des Bundes Deutscher Amateurtheater (BDAT), das unter dem Motto „125 Jahre BDAT – 125 Tage Theater“ landesweit mit Theateraktionen gefeiert wird. Im Anschluss lud die Bayerische Vertretung zu einem Empfang ein, der für einen intensiven kulturpolitischen Dialog genutzt wurde.

Der Bevollmächtige des Freistaates Bayern beim Bund Dr. Rolf-Dieter Jungk begrüßte die Gäste in der Bayerischen Vertretung und stellte heraus, dass der Bundesverband BDAT stolz auf seine lange Tradition sein könne. Das Amateurtheater sei mit seinem Engagement für Kultur und Gesellschaft gleichermaßen von Bedeutung. Dem Verband Bayerischer Amateurtheater, der mit derzeit rund 680 Mitgliedsvereinen der größte Mitgliedsverband im BDAT ist, attestierte Jungk – ebenso wie der Arbeitsgemeinschaft Mundart-Theater Franken mit rund 100 Bühnen – vor allem im Bereich des Mundarttheaters einen herausragenden Stellenwert. Er appellierte, die Begeisterung für das Theater gezielt auch an junge Menschen weiterzugeben.

BDAT-Vizepräsident Jürgen Peter dankte der Bayerischen Staatsvertretung dafür, dass sie ihre Tore als erste Landesvertretung im Rahmen der 125-tägigen Jubiläums-Spielzeit für das Amateurtheater geöffnet habe. Er betonte, dass die Theatergruppen unverzichtbarer Bestandteil der kulturellen Infrastruktur seien. Den besonderen Stellenwert des Mundarttheaters habe auch die Entscheidung der Deutschen UNESCO-Kommission herausgestellt, die im Dezember 2016 die „Regionale Vielfalt der Mundarttheater in Deutschland“ in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes“ aufnahm. Jürgen Peter forderte die Kulturpolitik dazu auf, diese Arbeit – gerade in Bayern – auch finanziell stärker zu würdigen und durch eine Förderung der Verbandsorganisation das ehrenamtliche Engagement weiter zu ermöglichen.

Auf die vielen Anforderungen bei einer ehrenamtlichen Vereinsführung verwies der Vorsitzende des Verbandes Bayerischer Amateurtheater Horst Rankl. Von der vielschichtigen und komplizierten Gesetzgebung, von Finanz- über Steuerrecht bis zum Urheberrecht oder Themen wie GEMA und Künstlersozialkasse benannte der Vorsitzende die komplexen Arbeitsfelder, die die Vereinsvorstände oftmals belasten und die Nachfolge junger Menschen erschweren. Auch wenn schon erste Schritte vonseiten der Kulturpolitik erfolgt seien, sollten weitere Verbesserungen realisiert werden, um auch künftig Verantwortliche für ehrenamtliche Vereinsaufgaben gewinnen zu können, appellierte Rankl an die Politik.

Den inkludierenden Gedanken des Amateurtheaters stellte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Mundart-Theater Franken Rüdiger Baumann heraus. Es stehe grundsätzlich allen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Kultur oder Sprache offen und könne eine Heimat bieten. Das gemeinsame Schaffen im Amateurtheater könne Menschen auch verwurzeln, die Mundart nehme dabei einen besonderen Stellenwert ein, was der Arbeitsgemeinschaft besonders am Herzen liege.

Im Anschluss an die Ansprachen gestalteten das Neuburger Volkstheater und das Theater Schauhaufen aus Kulmbach mit einem witzigen und kurzweiligen Programm einen unterhaltsamen Theaterabend. Schrille Töne schlugen die Neuburger in ihrem temperamentvoll präsentierten „Alpensängerterzett“ des unvergessenen bayerischen Komikers Karl Valentin an, das die bajuwarischen Volkssängermilieus persiflierte und in dieser Szenerie die Misstöne zur Kunst erhob. Italienisch-fränkische Sprachkost, gepaart mit großer Spielfreude, so demonstrierte das Theater Schauhaufen aus Kulmbach sein Erfolgsrezept. Mit Dario Fos „Der Dieb, der nicht zu Schaden kam“ entfesselten die Darsteller im Stil einer Screwball-Komödie einen lustvollen und temporeichen Reigen um Liebe, Sehnsüchte und Betrug. Vater und Sohn, Firmpate und Firmling, sind die Protagonisten in Karl Valentins Einakter „Der Firmling“. In dem zweiten Beitrag des Neuburger Volkstheaters stand das weinselige Vater-Sohn-Erlebnis im Mittelpunkt, das mit pointiertem Wortwitz, starker Mimik und Gestik den Klassiker des berühmten Münchner Schriftstellers und Schauspielers gelungen neu in Szene setzte.

Fotos: © Bayerische Staatskanzlei | Henning Schacht

Foto 1 v.l.:
Der Vorsitzende der ARGE Mundart-Theater Franken Rüdiger Baumann, der Präsident des Verbandes Bayerischer Amateurtheater Horst Rankl, Bayerns Bevollmächtigter beim Bund Rolf-Dieter Jungk und der Vizepräsident des Bundes Deutscher Amateurtheater Jürgen Peter

Foto 2
Volkstheater Neuburg in „Alpensängerterzett“ von Karl Valentin

Foto 3
Theater Schauhaufen in „Der Dieb, der nicht zu Schaden kam“ von Dario Fo

Foto 4
Volkstheater Neuburg in „Der Firmling“ von Karl Valentin