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Landesverband Amateurtheater Rheinland-Pfalz e.V.

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Amerika und die jungen wilden Kerle

art vor ort‘ aus Bad Kreuznach führt Sturm und Drang auf

Amerika und die jungen wilden Kerle

Dass es Ende des 18. Jahrhunderts junge wilde Schriftsteller gab, die sich vom engen Korsett des Klassizismus befreien wollten, ist in der Literatur ein wichtiger Meilenstein. Dazu gehörte u.a. Friedrich Maximilian Klinger, der mit seinem Bühnenstück “ Wirrwarr“ den Geist des Sturm und Drang in 1776 geradezu dokumentierte. Aus unterschiedlich persönlichen Motiven wandern Menschen von Europa nach Amerika aus. Drei junge Burschen, Wild ( der Kraftkerl ), Feu ( der Fantast ) und Blasius ( der Langweiler ) machen sich zunächst in dem Gasthaus „Zum grünen Ast“ gemütlich. Hier wohnen bereits der ebenfalls ausgewanderte Lord Berkley ( verfeindet mit der Bushy Familie ) und seine Tochter. Zwei weitere junge Damen, die von Ihrer Tante begleitet werden, suchen den Prinzen für’s Leben, auch die Tante.
Die Handlung hat durchaus Verbindung zu Shakespeare’s Romeo und Julia, aber soviel sei verraten, es geht alles gut aus. Die Liebenden finden sich, Lord Berkley wird versöhnt und ein Käptain zur See verkündet zum Schluss, das die Welt lebenswert ist und er alle einlädt diese kennenzulernen.
Das Ensemble ‚art vor ort‘ hat mit viel Engagement und Detailarbeit dieses anspruchsvolle Stück bühnenreif umgesetzt. Den Schlüssel zum Erfolg hat Inge Rossbach, als versierte Regisseurin, in der Hand. Mit viel Einfühlungsvermögen hauchte sie der strengen Textvorlage ein belebendes Image ein, mit dieser Basis konnten alle Darsteller sich altersgerecht identifizieren. Und hier hat Inge Rossbach wieder einmal gepunktet. Aus Ihrem „Fundus“ einer großen Theaterfamilie, deren Mitglieder ihr schon viele Jahren Treue leisten, hat sie die seltene Chance alle Rollen authentisch zu besetzen. Und das war ein Garant gerade in diesem Sturm und Drang Stück, glaubhaft Menschen in Szene zu setzen – die jungen wilden Kerle, die lebensfrohen verliebten Damen, die agile Tante und der frustrierte Lord Berkley, der rettende Käptain und die über allem wachende Wirtsfrau der Kneipe „Zum grünen Ast“. Ein durchaus zeitaktuelles Thema mit Gedanken an Flucht, Integration und Aufbruch zum Neuen.
Mit viel Mut umgesetzt in ein ohne Pause, keine überflüssigen langweiligen Längen, ein eher kurzweiliges 100 Minuten Stück. Chapeau, für diese gelungene Amateurleistung.
‚art vor ort‘ wird im Herbst ein neues Stück starten, man darf gespannt sein, wie es weiter geht.