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Landesverband Amateurtheater Rheinland-Pfalz e.V.

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Nachrichtenbeitrag

theaterfreunde niedererbach spielten „Taxi, Taxi“ von Ray Cooney

Ein Bericht von Thomas Holtkamp

theaterfreunde niedererbach spielten „Taxi, Taxi“ von Ray Cooney

Als früherer Vorsitzender und langjähriges Vorstandsmitglied der theaterfreunde niedererbach bin ich im Grunde befangen – von daher wollte ich eigentlich keinen Bericht von der letzten Aufführung für die Verbandsmedien verfassen. Als ich dann aber „Taxi, Taxi“ im Haus Erlenbach, der Dorfgemeinschaftshalle von Niedererbach, gesehen hatte, hatten mich die Schauspieler derart überzeugt, dass ich meine Vorbehalte aufgegeben habe.

Dabei hatte alles nicht gut begonnen. Eigentlich sollte das Stück schon im November des vergangenen Jahres aufgeführt werden, als einer der Hauptdarsteller plötzlich schwer erkrankte. Die geplanten Aufführungen mussten abgeblasen werden. Der Regisseur Frank Prüfer musste die Rolle des „Asi mit Herz“ Ben Gärtner übernehmen, der als Freund des taxifahrenden Titelhelden diesem nach Kräften, wenn auch vergeblich, zu helfen versucht.

Da damit aber auch der Regisseur ausgefallen war, musste Horst Meister reaktiviert werden. Der ehemalige Geschäftsführer unseres Landesverbandes und Ehrenmitglied ist seit einigen Jahren bei den tfn tätig, hatte sich aber eigentlich als Regisseur auf sein Altenteil zurückgezogen.

Unter diesen nicht ganz einfachen Umständen startete das Theaterprojekt der tfn also im Januar 2018 neu. Wie schon eingangs angedeutet: Es hat sich gelohnt.

Der Taxifahrer Christ Schmidt (Christian Zimmer) lebt nach einem exakten Stundenplan mit zwei Ehefrauen an zwei Adressen. Doch dann bringt ein Unfall alles durcheinander und seine besorgten Gattinnen bitten zwei Polizeibeamte (Marc Schramm und Christian Beetz) von unterschiedlichen Polizeistellen um Hilfe.

Unterstützt durch seinen Freund und Nachbarn Ben (s. o.) führt Chris sie in ein Labyrinth phantastischer Ausreden und Lügen. So verwandeln sich die harmlosen Ehefrauen Susi (Sophia Müller) und Jule (Vanessa Berndt) erst in Transvestiten, dann in hysterische Nonnen, während Chris den entsetzten Ben mal zum Kind, mal zum homosexuellen Verführer umdichtet.

Dabei soll nicht der herrlich lästige schwule Modeschöpfer Ludger Jäger (Rainer Simon) unerwähnt bleiben, der seinen Teil dazu beiträgt, die Schwierigkeiten des bigamistischen Taxifahrers zu vergrößern.   Diejenige (Isabel Holtkamp), die für die Fotos von der Aufführung verantwortlich ist, die auch diesem Bericht beigefügt sind, war in einem Kurzauftritt als (namenlose) Reporterin zu sehen.

Wer die Komödien und Farcen von Ray Cooney kennt, der weiß, dass ihre Wirkung von dem zunehmenden Tempo abhängt, mit dem die Schauspielerinnen und Schauspieler sich und das Stück auf die Bühne bringen müssen. Die tfn haben damit Erfahrung, weil sie schon einige Cooneys (2011: Außer Kontrolle, 2014: Funny Money) inszeniert haben.

Das richtige Tempo zu finden ist den Schauspielerinnen und Schauspielern und ihrem Regisseur (ihren Regisseuren!) fraglos hervorragend gelungen. Die Auftritte und Anschlüsse kamen auf den Punkt genau. Alle Akteure fühlten sich sichtlich wohl in ihren Rollen, wobei man die beiden Ehefrauen Sophia Müller und Vanessa Berndt herausheben darf, die sich punktgenau zum Schluss des Stückes in eine wundervolle Hysterie steigerten. Von daher verzeiht man es ihnen, wenn ihre sich überschlagenden Stimmen dabei nicht immer von allen verstanden werden konnten. Dies mag auch an der nicht unbedingt überragenden Akustik im Haus Erlenbach gelegen haben.

Mich haben alle Schauspielerinnen und Schauspieler überzeugt, die auf der Bühne standen. Sie waren in einem (angesichts der diesbezüglichen Schwierigkeiten des Stücks) erstaunlichen Maße textsicher und haben es verstanden, das notwendige Tempo der Darstellung aufzunehmen und bis zum Höhepunkt des Stücks zu halten. Wo es Probleme gab, konnten sie sich auf die Unterstützung ihrer Souffleuse Angela Kraus verlassen.

Wenn etwas zu kritisieren war, liegt es im technischen Bereich – und zwar nicht im akustischen, den die beiden Verantwortlichen Vanessa Vogelrieder und Petra Sydow souverän meisterten. Aber das Stück spielt – wie schon eingangs erwähnt – an zwei Orten. Und die Aktionen an beiden Orten ereigneten sich teilweise zeitgleich nebeneinander auf derselben Bühne, sodass die Fantasie der Zuschauerinnen und Zuschauer gefragt war.

Dagegen ist natürlich überhaupt nichts einzuwenden. Ich hätte mir aber gewünscht, dass diese Fantasie durch einen betonteren Einsatz von Lichteffekten unterstützt worden wäre. Dass das Geschehen auf einer Bühne sich an zwei unterschiedlichen Orten abspielt, kann aus meiner Sicht durchaus mit Scheinwerferspots betont werden.

Das ändert aber nichts an meinem Urteil, dass ich einem rundum gelungenem Theaterabend beigewohnt habe. Abgerundet wurde dieser Abend noch dadurch, dass ich die Aufführung gemeinsam mit Steffen Jainta ansehen konnte – dem wiedergenesenen, eingangs erwähnten Akteur, der eigentlich den Ben Gärtner hätte spielen sollen!

Am 24.02.2018 findet im Übrigen noch ein Gastspiel in der Sporthalle in Herschbach (Oww.) statt.


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